Zwischen den Jahren

Paukenschlag und Dudelsack. Im Stallhof in Dresden bei den Rauhnächten scheint die Zeit stehen geblieben zu sein - im Mittelalter. Es ist kalt und der Himmel blau. Der Duft des Mutzbraten – Schweinefleisch-Spieße langsam gegrillt, am Besten über ein Birkenholzfeuer – liegt in der Luft, und es läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Vorbei an den Ständen, wo gehandelt und gefeilscht wird, bleibe ich an einer Holzhütte mit sächsischem Zwiebelkuchen stehen. Was ist der Unterschied zu gewöhnlichem Zwiebelkuchen, frage ich mich. Zum Beispiel der Kümmel oben drauf und der Sauerteig, wie mir die nette Verkäuferin erklärt.

Weiter geht es in Richtung Glühweinstand. Direkt auf einer Bank neben einem Bogen, an dem ein Mistelzweig angebunden ist, lasse ich mich nieder und beobachte das Treiben. Einzelne Paare bleiben unter dem Küsschen-Bogen stehen und lassen sich mit Spass fotografieren. Immer der Nase nach werde ich magisch von einem Stand mit frischen Apfelkrapfen angezogen. Hier gibt es kein Vorbeikommen. Die Krapfen duften nicht nur besonders gut, sie sehen auch verführerisch aus. Ich gönne mir einen. Diese Krapfen sind einzigartig - sie stammen von einer fahrenden Bäckerei. Daher werden sie nur auf Märkten angeboten. Ich beschließe, die Reiseroute der Bäckerei zu erfragen.

Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich maskierte Teufel vor mir auf, sie reißen mich mit in die Menge. Ich bin fasziniert von der Schönheit der Masken. Wir tanzen und ich bin einen Moment völlig zeitlos. Zurück auf dem Mittelalter-Markt entdecke ich Stände für Seifen, Zaubertränke, Messer und Geschmeide, Felle, Hüte und Mützen und auch ein Zelt mit einer Wahrsagerin. Es ist mit einem Pärchen besetzt, das sich die Karten für die Zukunft legen lässt.

Ich komme aus dem Staunen kaum noch raus. So verweile ich Stunden auf dem Markt, und es ist bereits dunkel, als ich wieder in meine Zeitzone trete. Das war ein zauberhafter Nachmittag!

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