Smoking meets Würschtel

Ist ein Beitrag über die Bayreuther Festspiele auf www.heimat-feiern.de zu heimelig, zu staatstragend, zu künstlerisch abgehoben? Dreimal nein. Entsprechend müssen wir alle enttäuschen, die einen heimeligen, staatstragenden oder künstlerischen Beitrag erwarten.

Das erste Mal Bayreuth! Wir beginnen vorsichtig mit dem Anfänger-Programm Der Fliegende Holländer: Das ist selbstverständlich keine Aussage zur Inszenierung, sondern zur Länge des Stücks. Knapp über zwei Stunden versus sechs Stunden – Der fliegende Holländer schlägt Parsifal. Denn der Ruf des Festspielhauses war ihm vorausgeeilt: Harte Klappstühle, fehlende Klimaanlage. Beim Probesitzen während des Einführungsvortrages am Vormittag haben wir weitere Details erfühlt: Keine Armlehnen, also hautnaher Kontakt zum Nachbarn, enge Stuhlreihen, also keine Freiheit für lange Beine und eine Rückenlehne, die so bemessen ist, dass sich die untere Kante in die Wirbel drückt. Also dachten wir nach einer humor- und erkenntnisvollen Einführung in die aktuelle Bayreuther Holländer-Inszenierung, wir haben gemessen an Komfortpunkten die richtige Wahl getroffen.

Besondere Pausengstaltung in Bayreuth
Jedoch es ging uns auch etwas verloren: die Pausen! Nur die Vorstellungen von Der Fliegende Holländer werden in diesem Jahr ohne Unterbrechung gespielt, bei allen anderen Werken gibt es zwei einstündige Pausen. Und die haben es nach dem Hörensagen in sich: Würschtel, Brezel und Bier stärken und kleine fränkische Bochsbeutel erfrischen. Zudem lassen sich Zuschauer zum Picknicken auf dem Grünen Hügel nieder, und eine nahe Kneipp-Anlage lädt zum kühlen Wassertreten ein. Wem es nicht nach Bewegung ist, der lässt sich vor und nach der Vorstellung sowie in den beiden Pausen auf gemütlichen Stühlen nieder und folgt dem Menüplan.

All diesen Vergnügungen wurden wir beraubt. Unsere Aufmerksamkeit hatte der Holländer. Nach der Vorstellung traf man sich in Bayreuth wieder. Jeden Abend strömen nach Vorstellungsende die Abendkleider und Smokings und auch eine Vielzahl anderer Klamotten in die Altstadt von Bayreuth. Sie treffen auf neugierige Gäste, die am Folgeabend Eintrittskarten für das Festspielhaus haben. Man lauscht und wird belauscht, teilt sich manchmal einen Tisch und kommt ins Gespräch. Wer auf dem Hügel noch kein Würschtel gegessen hat, sollte es dann hier nachholen - zum Beispiel in Form der fränkischen Spezialität saure Zipfel.

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